Seit dem 29. September können OpenAIs Agenten selbst eine Weboberfläche bedienen. Wer sie in Deutschland einsetzen will, stößt auf eine Zeile in der Dokumentation: Für diese Schnittstelle lässt sich als Region nur die USA einstellen. Für Textaufgaben nennt OpenAI europäische Zugänge, gegen 10 % Aufschlag bei allen Modellen, die seit dem 5. März 2026 erschienen sind.
Agenten bedienen jetzt den Browser
Bisher lief die Arbeit mit einem Sprachmodell über Text: Anfrage hin, Antwort zurück. Seit dem 29. September kann ein Programm den Agenten auch eine Weboberfläche bedienen lassen. Im Änderungsprotokoll steht der Eintrag, Agenten könnten Aufgaben in einem Browser erledigen, den OpenAI bereitstellt; welche Seiten er aufrufen darf und wie die Anmeldung läuft, bestimmt die Anwendung, die ihn einsetzt. Der Agent klickt und tippt also selbst. Warum bei solchen Agenten die Wissensarchitektur zuerst kommt, steht in Erst die Wissensarchitektur, dann die Agenten.
Ein Makro klickt eine feste Folge ab und bricht ab, wenn etwas anders aussieht als erwartet. Der Unterschied liegt darin, wer den Verlauf der Arbeit zusammenhält — die Sitzung, in der Anfrage, Antwort und Zwischenschritte beieinanderstehen. Bei langen Vorgängen scheiterte die Arbeit mit dem Modell bisher an der Länge. Irgendwann passte der Verlauf nicht mehr in das Kontextfenster — die Textmenge, die ein Modell auf einmal überblickt —, und es verlor den Faden.
Diesen Teil übernimmt jetzt OpenAI — laut Übersicht zur Agents API die Sitzungen, die Reihenfolge der Schritte, das Zusammenfassen des Verlaufs und die Wiederaufnahme nach einem Abbruch.
API heißt Programmierschnittstelle: der Zugang, über den eine Anwendung die Dienste von OpenAI anspricht. Für Textaufgaben ist das die Responses API, für Agenten die neue Agents API — dieselbe Firma, zwei Zugänge mit verschiedenen Bedingungen. Wer eine Software einkauft, die KI-Funktionen mitbringt, bezahlt diesen Zugang mit, ohne ihn zu sehen. Die Agents API ist seit dem 10. September zu haben, laut Änderungsprotokoll als öffentliche Beta.
OpenAI sagt nicht zu, nichts zu speichern
In der Übersicht zur Agents API steht, sie unterstütze Datenresidenz derzeit nur in den Vereinigten Staaten und kein Zero Data Retention.
Datenresidenz ist bei OpenAI die Zusage über die Region — für den Ort, an dem Daten liegen, und für den Ort, an dem gerechnet wird. Beides wird getrennt zugesagt. Zero Data Retention, kurz ZDR, ist die Zusage, dass der Anbieter nichts davon speichert, auch nicht vorübergehend. Für diese Schnittstelle heißt das: Als Region lässt sich allein die USA einstellen, und ZDR gibt es gar nicht.
Wer die Rechenarbeit in eine eigene Umgebung holen will, findet in denselben Unterlagen den Riegel. Eine Sandbox ist eine abgeschottete Umgebung, in der der Agent seine Werkzeuge ausführt; betreiben kann man sie selbst. Im Wortlaut heißt es, das mache die Agents API trotzdem nicht „ZDR-eligible“ — also nicht tauglich für die Zusage, dass nichts gespeichert wird.
Normale Textarbeit läuft auch in Europa
OpenAI führt in seinen Unterlagen zur Datenresidenz drei Regionen für die Verarbeitung: die Vereinigten Staaten, Europa (Europäischer Wirtschaftsraum und Schweiz) sowie die Vereinigten Arabischen Emirate. Für Europa nennt die Seite die Betriebsarten Standard, Flex und Batch, und zwar für GPT-6.1 Sol, GPT-6 Sol und GPT-6 Luna. Ob das große GPT-6 Astra dazugehört, sagen der Fließtext und die Modelltabelle derselben Seite unterschiedlich: Die Tabelle führt Astra, der Fließtext nennt es an dieser Stelle nicht.
Eine andere Zeile derselben Seite halte ich für wichtiger als die Liste der Regionen: Die Unterstützung für regionale Speicherung bedeutet keine Unterstützung für regionale Verarbeitung. Wer die Zusage bekommt, dass Daten in Europa liegen, weiß damit noch nicht, wo gerechnet wird.
Für die schnellen Tarife fehlt Europa
Mit europäischer Verarbeitung gehen zwei Dinge nicht: die Agents API, um die es oben ging, und die schnellen Tarife. Die Preisliste führt zwei davon, „Fast mode“ und „Ultrafast“. Für Ultrafast heißt es, er unterstütze die US-Region und die Verarbeitung ohne Ortsbindung; europäische Zugänge sind ausgeschlossen. Beim Fast mode hängt die Sperre am Modell: Für GPT-6 Astra, GPT-6.1 Sol, GPT-6 Sol und GPT-6 Luna ist er nicht mit europäischer Datenresidenz zu haben. Vier Modelle, die die Seite namentlich nennt.
Dauer-Agenten kommen vorerst nicht nach Europa
Die auffälligste Ankündigung des Tages steht in keiner der Entwicklerseiten, die dieser Beitrag auswertet. Sie kommt aus der Fachpresse, und deshalb steht die Quelle im Satz. The Decoder berichtet von „Dots“: dauerhaft aktiven Agenten, die laufende Aufgaben übernehmen und sich von selbst melden, wenn etwas Aufmerksamkeit braucht.
Für Leser hier zählt ein Satz aus demselben Bericht: Abonnenten des Pro-Tarifs erhalten Dots vorerst nur außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums, der Schweiz und Großbritanniens. Deutschland gehört dazu.
Das neue Modell ist fünfmal günstiger
Am 29. September ist GPT-6.1 Sol erschienen, laut Änderungsprotokoll für aufwendige Programmierarbeit und berufliche Aufgaben, zu geringeren Kosten als das große GPT-6 Astra. Abgerechnet wird nach Token — den Bruchstücken, in die ein Text zerlegt wird, ungefähr Silben. Die Preisliste nennt die Beträge je 1 Million Token:
| Modell | Text hineingeben | Antwort herausbekommen |
|---|---|---|
| GPT-6 Astra | 10,00 $ | 50,00 $ |
| GPT-6.1 Sol | 2,00 $ | 10,00 $ |
| GPT-6 Astra im Ultrafast-Tarif | 60,00 $ | 300,00 $ |
Sol kostet damit ein Fünftel von Astra, beim Hineingeben wie bei der Antwort. Ultrafast führt die Liste nur für Astra, dort kostet er das Sechsfache des Normaltarifs. Laut Änderungsprotokoll verkürzt er die Zeit zwischen den ausgegebenen Token. Die Antwort tröpfelt also schneller heraus.
Ab 272.000 Token in einer Anfrage gilt eine zweite Preisstufe, in jedem Tarif. Die Modellseite von Astra nennt die Faktoren: Das Hineingeben kostet dann das Doppelte, die Antwort die Hälfte mehr. Bei Ultrafast sind das 120,00 $ und 450,00 $.
Welches Modell für welche Arbeit taugt, habe ich im Juni an einem Handbuch gemessen.
Neuere Modelle kosten in Europa Aufschlag
Regionale Verarbeitung — die europäische Wahl von oben — kostet laut Preisliste 10 % Aufschlag. Er gilt für Modelle, die am 5. März 2026 oder später erschienen sind, also auch für das neue, günstige Sol.
Ihr Softwarehaus entscheidet über die Region
Meine Einschätzung: In den meisten Betrieben kommt diese Technik mit dem nächsten Update der eingekauften Software, ohne dass jemand sie bestellt hat.
Welche der beiden Schnittstellen darin steckt, entscheidet über die Region. Bei der Agents API ist Europa nicht einstellbar, eine Zusage über das Speichern gibt es dort ebenfalls nicht, und sie steht erst in der öffentlichen Beta. Bei der Responses API gibt es einen europäischen Zugang, und es bleibt der Aufschlag.
Stand: 30.09.2026. Die Angaben zu Schnittstelle, Datenresidenz und Preisen stammen aus OpenAIs Unterlagen für Entwickler und sind oben verlinkt; die Angaben zu Dots aus dem Bericht von The Decoder. Ich ergänze den Text, sobald OpenAI mehr veröffentlicht.