KI-Muster in Texten: 11 Fehler die jeden verraten

KI-Muster in Texten: 11 Fehler die jeden verraten

Ihr KI-generierter Text klingt wie alle anderen. Das ist kein Zufall. KI-Muster aus Texten entfernen ist inzwischen eine eigene Redaktionsdisziplin — und eine, die den Unterschied zwischen gelesen werden und übergangen werden macht.

KI-Muster aus Texten entfernen ist keine Hexerei. Es erfordert, dass Sie wissen, wonach Sie suchen. Das Problem: Die meisten Leute, die GPT-Output ungelesen in ihre Unternehmenskommunikation kopieren, merken es selbst nicht mehr. Ich habe meinem eigenen KI-Assistenten explizit verboten, bestimmte Konstruktionen zu verwenden. Nicht weil ich KI grundsätzlich ablehne. Sondern weil die typischen Ausgabemuster einen fachlich soliden Text sofort entwerten. Wer sich für die stilkritische Seite des Themas interessiert, findet in der Zwiebelfisch-Kolumne von Bastian Sick seit Jahren scharfe Analysen sprachlicher Verfallsmuster — ich empfehle sie als Pflichtlektüre für alle, die in Unternehmen Texte freigeben.

Hier sind elf Muster, die jeden verraten. Jedes mit einem Vorher-Nachher-Beispiel. Wer KI-Muster aus Texten entfernen systematisch angehen will, bekommt so eine Prüfliste für den eigenen Redigier-Durchgang.

Muster 1: Em-Dash-Antithesen

Vorher: „Dokumentation ist kein Kostenblock — sie ist ein Qualitätsmerkmal.“

Nachher: „Dokumentation ist ein Qualitätsmerkmal. Wer sie als Kostenblock behandelt, hat das Haftungsrecht noch nicht zu Ende gedacht.“

Der Em-Dash als dramatische Pause zwischen zwei Halbsätzen ist ein Lieblingsreflex der Sprachmodelle. Er klingt nach Rhetorik, ist aber meistens eine Leerformel. Trennen Sie den Satz. Der zweite Satz muss dann für sich stehen — und das merkt man sofort, ob er das kann oder nicht.

Muster 2: „Nicht X, sondern Y“-Konstruktionen

Vorher: „Es geht nicht um Technik, sondern um Prozesse.“

Nachher: „Die Technik ist das kleinste Problem. Prozesse entscheiden darüber, ob eine Systemeinführung funktioniert.“

Das „Nicht X, sondern Y“-Schema suggeriert eine überraschende Wendung. Meistens ist keine da. Das Modell hat zwei Aspekte, die es erwähnen wollte, und löst das durch Kontrastierung. Schreiben Sie stattdessen zwei Sätze, die beide für sich stehen. Das zwingt Sie außerdem, zu überprüfen, ob der zweite Gedanke wirklich stärker ist als der erste.

Muster 3: Banalitäts-Volten

Vorher: „In einer Welt, die sich immer schneller dreht, wird Dokumentation zur strategischen Ressource.“

Nachher: „Wer Betriebsanleitungen als Pflichtübung behandelt, verliert Zeit bei Reklamationen und Geld bei Konformitätsprüfungen.“

Der Einstieg über „In einer Welt…“ ist ein Füllsatz, der nichts sagt außer: Ich fange jetzt an. Streichen Sie ihn. Der Satz danach ist fast immer der eigentliche erste Satz. Und wenn er das nicht ist, schreiben Sie ihn neu.

Muster 4: Superlative-Ketten

Vorher: „Diese revolutionäre, bahnbrechende Technologie transformiert die Art, wie wir Dokumentation denken.“

Nachher: „Das Tool verkürzt den Durchlauf für Erstübersetzungen um 30 bis 40 Prozent — wenn die Ausgangstexte sauber sind.“

„Revolutionär“, „bahnbrechend“, „disruptiv“, „transformativ“ — diese Wörter kommen in KI-generierten Texten so häufig vor, dass sie als Erkennungsmerkmal taugen. Ersetzen Sie jeden Superlativ durch eine konkrete Zahl oder ein konkretes Beispiel. Wenn Sie keine konkrete Zahl haben, war der Superlativ eine Aussage ohne Inhalt.

Muster 5: Dreier-Listen als rhetorischer Reflex

Vorher: „Für eine erfolgreiche Einführung brauchen Sie drei Dinge: eine klare Strategie, das richtige Team und die passende Technologie.“

Nachher: „Ob eine Systemeinführung gelingt, hängt in meiner Erfahrung weniger von der Technologie ab als von der Bereitschaft, Prozesse anzufassen.“

KI-Modelle haben eine ausgeprägte Vorliebe für Dreiergruppen. Drei Punkte, drei Säulen, drei Schritte — egal ob es drei sind oder sieben oder zwei. Prüfen Sie bei jeder Liste: Sind es wirklich genau diese drei? Oder haben Sie eine beliebige Dreiergruppe aus einem größeren Zusammenhang herausgeschnitten? Wenn letzteres, schreiben Sie einen Satz, der das Wesentliche enthält. Wer KI-Muster aus Texten entfernen will, fängt oft genau hier an — die scheinbar sauberen Dreierlisten sind die häufigsten unauffälligen Treffer.

Muster 6: Füllformeln

Vorher: „Es ist wichtig zu verstehen, dass Qualitätssicherung ein kontinuierlicher Prozess ist.“

Nachher: „Qualitätssicherung ist ein kontinuierlicher Prozess.“

„Es ist wichtig zu verstehen, dass…“ und „Es ist erwähnenswert, dass…“ sagen exakt dasselbe wie der nachfolgende Satz — nur mit vier Wörtern Vorlauf, die keinen Informationswert haben. Suchen Sie diese Konstruktionen per Suchen-und-Ersetzen. Sie kommen öfter vor, als Sie denken. Das ist die simpelste Variante, KI-Muster aus Texten entfernen zu lernen: eine einzige Suchen-und-Ersetzen-Liste kann einen Text um zehn bis zwanzig Prozent kürzer machen, ohne dass eine einzige Information verloren geht.

Muster 7: Aufsatz-Schule

Vorher: „In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Ihre Dokumentationsprozesse mit KI optimieren können.“

Nachher: Einfach weglassen. Fangen Sie mit dem ersten relevanten Satz an.

Diese Formel stammt aus der Schule. Sie ist dort sinnvoll, weil Schüler lernen, Texte anzukündigen. In einem Fachartikel ist sie ein Signal dafür, dass der Text keinen starken Einstieg hat. Wenn der erste Satz gut ist, braucht er keine Ankündigung.

Muster 8: Abstrakte Substantivierungen

Vorher: „Die Durchführung der Implementierung erfolgt in enger Abstimmung mit den relevanten Stakeholdern.“

Nachher: „Wir implementieren das System gemeinsam mit den betroffenen Abteilungen.“

Substantivierungen entstehen oft durch Nominalisierung von Verben: „implementieren“ wird zu „die Implementierung“, „abstimmen“ wird zu „in Abstimmung“. Das macht Sätze länger und schwerer lesbar. Fragen Sie bei jedem Substantiv, das auf „-ung“, „-keit“, „-heit“ oder „-tion“ endet: Steckt ein Verb dahinter, das ich direkt nutzen kann? Meistens ja.

Muster 9: „Sowohl … als auch …“ als Mode-Kopplung

Vorher: „Das Tool unterstützt sowohl die Erstellung als auch die Verwaltung und Auslieferung von Dokumentation.“

Nachher: „Das Tool läuft in der Erstellung, in der Verwaltung und im Export. Ob Ihr Prozess das alles braucht, hängt davon ab, wo bei Ihnen der Engpass sitzt.“

„Sowohl … als auch …“ ist eine Aufzählung, die sich wichtiger anfühlt als sie ist. Sie koppelt Elemente, die meistens keiner besonderen Kopplung bedürfen. Ersetzen Sie die Konstruktion durch eine direkte Aufzählung oder — noch besser — durch einen Satz, der bewertet, welches Element in Ihrem Kontext wichtiger ist.

Muster 10: Fazite, die zusammenfassen statt weiterzudenken

Vorher: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass KI in der Technischen Redaktion großes Potenzial bietet, aber auch sorgfältige Vorbereitung erfordert.“

Nachher: „Wenn die Grundlagen stimmen, verkürzt KI den Durchlauf bei Übersetzungen und Konsistenzprüfungen messbar. Wenn sie nicht stimmen, beschleunigt KI die Produktion von schlechter Dokumentation. Das ist keine ausgewogene Aussage — das ist die Reihenfolge, die ich in der Praxis beobachte.“

Ein Fazit, das den Text zusammenfasst, ist ein Fazit, das nichts Neues sagt. Es verdoppelt den Text ohne Erkenntnisgewinn. Ein gutes Fazit führt einen Gedanken weiter, zieht eine Konsequenz oder stellt eine Frage, die der Leser mitnehmen soll. Das ist schreibhandwerklich anspruchsvoller — deshalb macht KI es nicht.

Muster 11: Der Kommentar-Appell nach Drehbuch

Vorher: „Und jetzt zu euch: Welches dieser Muster nervt euch am meisten? Ich freue mich auf eure Gedanken in den Kommentaren!“

Nachher: Streichen. Oder durch eine konkrete, beantwortbare Frage ersetzen, die sich auf einen spezifischen Punkt im Text bezieht.

Der Kommentar-Appell am Textende ist die offensichtlichste Markierung automatisierter Content-Produktion. „Was mich ehrlich interessiert“, „freue mich auf eure Gedanken“, „lasst uns den Austausch weiterführen“ — drei Formulierungen, die in derselben Woche in drei verschiedenen LinkedIn-Posts stehen können, ohne dass es jemandem auffällt. Die Aufforderung ist generisch, weil sie nie zu einem konkreten Text gehört. Sie würde unter jedem Beitrag funktionieren. Genau das ist das Problem: Ein CTA, der überall passt, signalisiert, dass er niemandem gehört. Wer echtes Interesse an Antworten hat, stellt eine Frage, die nur zu diesem Text passt — und akzeptiert, dass nur wenige Leser antworten. Die Mehrheit liest und geht weiter. Das ist der Normalzustand, kein Kommunikationsproblem.

KI-Muster aus Texten entfernen

Das Entfernen solcher Muster funktioniert in drei Phasen. Jede davon können Sie einzeln einsetzen, wenn Sie KI-Muster aus Texten entfernen erst einmal an einem kleinen Abschnitt ausprobieren wollen.

Fünf Minuten Suchen-und-Ersetzen: Öffnen Sie Ihren Text in einem Editor mit Suche. Suchen Sie nach folgenden Zeichenketten und entscheiden Sie pro Treffer: streichen oder umschreiben.

  • „Es ist wichtig“
  • „Es ist erwähnenswert“
  • „sowohl … als auch“
  • „In diesem Artikel“
  • „nicht nur … sondern auch“
  • „revolutionär“, „bahnbrechend“, „disruptiv“, „transformativ“
  • „In einer Welt“
  • „die Durchführung“, „die Implementierung“, „die Erstellung“ (als Subjekt)
  • „Und jetzt zu euch“, „Was mich ehrlich interessiert“, „freue mich auf eure Gedanken“

Zehn Minuten Laut-lesen und Streichen: Lesen Sie den bereinigten Text laut vor. Jeder Satz, bei dem Sie hören, dass er nichts sagt, kommt raus. Jede Aufzählung, bei der Sie merken, dass ein Element davon überflüssig ist, wird gekürzt. Das klingt nach mehr Arbeit als es ist. Laut vorlesen ist das schnellste Mittel, um Texte zu beurteilen — weil das Ohr merkt, was das Auge überliest. Wer eine erste automatisierte Diagnose will, kann die Wortliga-Textanalyse nutzen — sie findet Substantivierungen, lange Sätze und Füllwörter, ersetzt aber kein kritisches Lesen.

Fazit: KI-Muster aus Texten entfernen braucht keine besondere Software. Es braucht die Bereitschaft, den eigenen Text kritisch zu lesen — und zu akzeptieren, dass ein kürzerer, direkterer Text fast immer besser ist als ein langer, der nach etwas klingt. Wer sich für die sprachliche Entwicklung durch KI grundsätzlich interessiert, findet bei der Gesellschaft für deutsche Sprache regelmäßig fundierte Stilkritik — auch zum Einfluss generativer Modelle auf Alltagssprache.

Wer wissen will, warum der Umgang mit KI-generierten Inhalten gerade in der Technischen Redaktion besondere Sorgfalt verlangt, findet den fachlichen Hintergrund in Chatbot in der Kommandozeile und im Artikel zu KI in der Technischen Redaktion.

Wenn Sie aber wissen wollen wie Sie diese Stilblüten direkt verhindern können und so zeitraubende Nacharbeit reduzieren können, dann nehmen Sie Kontakt zu mir auf.

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