KI in der Technischen Dokumentation, im Wissensmanagement und in der Regulierung: Was diese Woche wirklich zählt, kurz eingeordnet, ohne Hype.
EU AI Act: „Digital Omnibus“ entschärft die Fristen
Parlament und Rat haben sich Anfang Mai auf eine vereinfachte Umsetzung des AI Acts geeinigt. Berichten zufolge verschieben sich die Fristen für Hochrisiko-Systeme nach hinten: für eigenständige Systeme Richtung Ende 2027, für eingebettete Systeme Richtung Mitte 2028 (genaue Daten und Stand siehe Quelle). Praktisch heißt das: mehr Luft bei der Umsetzung. Die Pflicht zur technischen Dokumentation von KI-Systemen bleibt aber bestehen. Wer Konformität nachweisen muss, braucht sie weiterhin sauber dokumentiert, nicht erst kurz vor der Frist. (Quelle)
Standardisierung wird zur Vorlage für die KI-Doku
Auf Standardisierungsebene wird an praxistauglichen Vorlagen für die technische Dokumentation von KI-Systemen gearbeitet, speziell für Hochrisiko-KI und General-Purpose-AI. Genau hier trifft sich KI mit unserem Fach: Die Doku wird zum Compliance-Nachweis. Wer früh standardisierte Strukturen aufsetzt, spart sich später das Nachrüsten. (Quelle)
tekom: neue Auflage zur Standardisierung, und warum KI sie braucht
Die überarbeitete Auflage des tekom-Standardwerks zur sprachlichen und redaktionellen Standardisierung ist erschienen. Der für mich wichtigste Punkt: Für KI-Chatbots muss standardisierter Content noch konsequenter sein, weil die exakte Formulierung Training und Antwortqualität bestimmt. Standardisierung galt lange als Fleißarbeit. Jetzt entscheidet sie, ob KI aus Ihren Inhalten verlässliche Antworten zieht. (Quelle)
Wissensmanagement: der „Enterprise Memory Layer“ wird zum Wettbewerbsvorteil
In aktuellen Analysen zum Wissensmanagement verschiebt sich der Vorteil eines Unternehmens weg von „wen beschäftige ich“ hin zu „wie zugänglich und klar ist mein organisationales Gedächtnis“. KI-Systeme greifen dafür direkt in die Werkzeuge, in Mail, Notion, Repositories, statt in isolierten Silos zu sitzen. Das ist genau der Grund, warum ich an einem durchsuchbaren Wissensgraph statt an noch einem Ablageordner arbeite. (Quelle)
Agentic AI und Explainable AI als prägender Trend
Viele Fachleute sehen die Kombination aus autonom handelnder und erklärbarer KI als prägenden Trend für 2026. Für die Doku bedeutet das zweierlei: KI-Agenten werden mehr selbst erledigen, aber nur dort, wo nachvollziehbar bleibt, woher eine Antwort stammt. Ohne Quellenbindung und saubere Inhalte darf man einem KI-Agenten schlicht nicht trauen. (Quelle)
Mittelstand: KI ist im Alltag angekommen
Laut Bitkom (März 2026) setzen 41 % der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI ein, Tendenz klar steigend. Kaum ein Betrieb fragt noch, ob KI kommt. Die ehrlichere Frage ist, wo man sinnvoll anfängt. Mein Rat bleibt: dort beginnen, wo Sie ohnehin strukturierte Inhalte haben. Die Technische Dokumentation ist der dankbarste erste Anwendungsfall. (Quelle)
Kurz gesagt
Die Regulierung gibt etwas Zeit, aber die Richtung steht. KI verlangt saubere, standardisierte, nachvollziehbare Inhalte. Wer seine Doku jetzt ordnet, ist vorbereitet, wenn KI sie wirklich nutzt.
Nächste Woche wieder. Wenn Sie ein Thema vertieft haben wollen oder KI in Ihrer Technischen Dokumentation einführen möchten, sprechen Sie mich an.